Mit klaren Ambitionen reiste unsere Delegation zur LEM nach Quickborn: Neben Basti, Heiko und mir begleitete uns unser Trainer Wolfgang, der sich fest vorgenommen hatte, die Seniorenmeisterschaft für sich zu entscheiden. Für uns andere galt die Devise: die Favoriten ärgern – und im besten Fall Heiko ganz oben mitspielen lassen.
Ein Blick auf die Teilnehmerliste zeigte schnell, dass dieses Vorhaben alles andere als trivial werden würde. Das Feld war durchweg stark besetzt und reichte bis in den Bereich knapp unter 2000 DWZ, wobei mehrere Spieler bereits überregionale Erfahrung mitbrachten. Auch Spieler wie Hauke Maag – gegen den Basti direkt antreten durfte – waren keine Unbekannten und zählten im Turnierverlauf zu den ernsthaften Kandidaten auf vordere Plätze.
Montag:
Der Turnierstart verlief dennoch vielversprechend. In der ersten Runde konnten Wolfgang und Daniel – letzterer gegen einen nominell stärkeren Gegner – direkt wichtige Siege einfahren. Basti hatte das wohl schwierigste Los erwischt, zeigte jedoch eine starke Leistung und rang dem späteren Zweitplatzierten des Kandidatenturniers Hauke Maag ein Remis ab – ein Achtungserfolg gleich zum Auftakt. Heiko wiederum hatte seinen Gegner bereits überspielt, stellte die Partie jedoch im Turmendspiel unglücklich ein und musste eine bittere Niederlage hinnehmen. Insgesamt standen damit solide 2,5 Punkte aus 4 Partien zu Buche – ein Ergebnis, das im engen Teilnehmerfeld absolut im Soll lag.
Den Abend nutzten wir für gemeinsame Analysen und zur Vorbereitung auf den zweiten Turniertag, an dem direkt eine Doppelrunde anstand. Diese begann aus unserer Sicht denkbar ungünstig, da Heiko und Basti direkt gegeneinander gelost wurden – ein internes Duell, das man in so einem Turnier natürlich möglichst vermeiden möchte. Die Partie war leider schnell entschieden, mit dem besseren Ende für Heiko. Wolfgang konnte parallel einen weiteren wichtigen Sieg verbuchen und blieb damit voll auf Kurs in Richtung Seniorenwertung, während Daniel nach vielversprechender Eröffnung seine Partie noch aus der Hand gab. Ergebnis: 2 Punkte aus 4 Partien.
Dienstag:
In der zweiten Runde des Tages traf Wolfgang auf einen der nominell stärksten Spieler des Feldes. Die Partie verlief ausgeglichen und endete folgerichtig remis – ein solides Ergebnis gegen starke Konkurrenz. Basti gelang in der Zwischenzeit sein erster Turniersieg, während Heiko trotz aussichtsreicher Stellung – laut Computer völlig im Gleichgewicht – in ein Remis einwilligte. Daniel hatte es mit Julia Marie Junge zu tun und hielt lange gut mit, übersah jedoch beim Übergang ins Endspiel einen entscheidenden Springerzug, der die Partie kippte. Somit kamen wir auch hier auf 2,5 Punkte aus 4 Partien – weiterhin ein stabiles Mannschaftsergebnis im dicht gedrängten Mittelfeld.
Die Doppelrunde forderte ihren Tribut, und so ließen wir den anstrengenden Tag bei einem gemeinsamen griechischen Abendessen entspannt ausklingen – inklusive intensiver Nachbesprechungen und ersten vorsichtigen Blicken auf die Tabelle.
Für die vierte Runde nahmen wir uns dann einiges vor: Die Zielmarke lag bei vier Punkten – und diesmal sollten wir liefern. Die Runde stand ganz im Zeichen des Endspiels, und in nahezu allen Partien zeigte sich, wie entscheidend Technik und Ausdauer in diesem Turnier waren.
Mittwoch:
Daniel bekam nach der durchwachsenen Doppelrunde ein etwas leichteres Los. Nach einem strategischen Fehler in der Eröffnung gelang es ihm, in ein spannendes Endspiel überzuleiten, in dem sein Gegner die entscheidende Gewinnfortsetzung verpasste. Schließlich konnte Daniel den Spieß noch umdrehen und den Angriff erfolgreich zum Sieg führen.
Basti hatte es erneut mit einem absoluten Schwergewicht des Turniers zu tun – dem nominell stärksten Spieler des Feldes. Nachdem sein Gegner ihm überraschend die Qualität überließ, entwickelte sich ein beeindruckendes Endspiel (Läufer gegen Turm), das sich über unglaubliche 109 Züge erstreckte. Mit großer Präzision und Ausdauer konnte Basti schließlich den vollen Punkt sichern – sicherlich eine der bemerkenswertesten Partien des gesamten Turniers.
Auch Wolfgang zeigte einmal mehr seine Klasse, manövrierte geduldig und knackte schließlich die gegnerische Stellung – ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung seines Turnierziels. Den schnellsten Sieg des Tages steuerte Heiko bei, nachdem sein Gegner eine einfache Taktik übersah und frühzeitig eine Figur verlor.
Mit makellosen 4 aus 4 Punkten war die vierte Runde ein voller Erfolg für unser Team – und ein deutliches Ausrufezeichen im Turnierverlauf.
Leider musste Daniel das Turnier im Anschluss krankheitsbedingt vorzeitig beenden. Mit 2 Punkten aus 4 Partien ein akzeptables Ergebnis mit Luft nach oben.
Donnerstag:
Am vierten Spieltag stand wieder eine Doppelrunde (5. Und 6. Runde) an. In der 5. Runde hatte es Wolfgang mit der Nummer 2 der Setzliste zu tun. Thomas Lehr spielt trotz seines Alters immer noch auch einem sehr hohen Niveau. Da Thomas erst in der zweiten Runde zur LEM gestoßen ist, lag er auch 1 Punkt hinter Wolfgang, was doch etwas Brisanz mit sich brachte. Sein direkter Konkurrent (Andy Fleischer) mit gleichem Punktestand hatte es direkt neben ihm sitzend mit Heinz-Jürgen Sievert zu tun. Dieser wiederum spielte ein überragendes Turnier und konnte Andy Fleicher einen halben Punkt abnehmen. Wolfgang durfte also nicht verlieren und ist am Ende mit einem Remis, zumal mit den schwarzen Steinen, zufrieden.
Im Kandidatenturnier musste Basti gegen den alten Haudegen Manfred Sümnich ran und Heiko gegen die Nachwuchsspielerin Julia Marie Junge. Basti kam sehr gut aus der Eröffnung raus und hat im Mittelspiel leider die besten Fortsetzungen nicht gespielt um einen Vorteil in einen Sieg umzuwandeln. Am Ende blieb ein Remis stehen, welches eher Basti`s Gegner schmeicheln sollte. Heiko hat mit seiner Eröffnungsvorbereitung voll ins Schwarze getroffen und kam aus der Eröffnung sehr gut raus. Allerdings wollte er dann zu viel und spielte zu optimistisch offensiv. Dies rächte sich dann durch einen Konter in einen großen Nachteil. Seine Gegnerin spielte sehr schnell und machte nicht nur Druck in der Partie, sondern auch auf der Uhr. Diesmal ist der Schuss aber nach hinten losgegangen, weil sie durch zu schnelles Spiel eine Siegtaktik nicht gesehen hat und nur auf einen Bauerngewinn spielte. Jetzt war Heiko zurück in der Partie, wenn auch mit schlechterer Stellung aber immerhin noch am Leben. Am Ende konnte die Stellung bis auf einen Randbauern ausgespielt werden und endete etwas glücklich für Heiko mit Remis. Aus Mannschaftssicht haben wir die fünfte Runde 2-1 gewonnen.
In der Nachmittagspartie (6. Runde) kam es wieder nebeneinandersitzend zum Duell um die Seniorenmeisterschaft. Während Wolfgang es diesmal mit Weiß gegen Thomas Nautsch zu tun hatte, müsste sein Kontrahent Andy mit Schwarz gegen Eckhard Strompowski ran. Da Andy relativ schnell in Vorteil kam und die Partie zu einem vollen Punktgewinn umwandeln konnte, stieg der Druck auf Wolfgang seine Partie gewinnen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt stand Wolfgang leicht besser, aber für einen vollen Punkt sollten noch etliche Züge folgen. Am Ende wurde auch diese Prüfung erfolgreich bestanden.
Basti bekam es bei den Kandidaten mit Matthias Braun zu tun. Bereits in der Eröffnung kam schon leichte Ungenauigkeiten vor, die aber nicht bestraft wurden. Im Mittelspiel schien dann wieder alles unter Kontrolle zu sein. Vielleicht etwas ungeduldig fing Basti dann an offensiver zu spielen und seine Bauern vorzuziehen. Am Ende waren es nur Kleinigkeiten die zu einer Punkteteilung fehlten und ging diese Partie leider verloren. Heiko hatte es mit einem Nominell schwächeren Gegner zu tun und so legte es auch seine Partie an. Ein kompromissloser Angriff brachte Vorteil und ließ seinen Gegner nicht zu Atem kommen. Diese Partie endete mit einem Matt mit auf dem Brett. Die „Mannschaftspunkte“ fielen wie heute Vormittag mit 2-1 zu unseren Gunsten aus.
Freitag:
Am Karfreitag folgte nun der Showdown in der Seniorenklasse. Punkt und Wertungsgleich gingen Wolfgang und Andy in die letzte Runde. Wolfgang bekam es mit dem sehr stark aufspielenden Heinz-Jürgen Sievert zu tun, während Andy auf den sehr starken Thomas Lehr trifft. Wolfgang hatte in der englischen Partie auf dem Brett Ausgleich, aber auf der Uhr einen großen Vorteil. Als Heinz-Jürgen Sievert die Übersicht auf dem Brett verloren schien und sich sein Turm auf dem Brett „verirrte“ und letztendlich verloren ging, ging damit auch der volle Punkt an Wolfgang. Nun lag es an der Partie von Andy gegen Thomas. Sollte Andy gewinnen, wären er und Wolfgang weiterhin Punktgleich und die erste und/oder 2.-3. Wertung müssten entscheiden. Aufgrund einer Streichwertung sollte es eigentlich für Wolfgang reichen, aber sicher war es nicht. Andy stand inzwischen gegen Thomas klar besser, aber Thomas hat immer wieder Ressourcen zur Verteidigung und Gegenspiel gefunden. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde Stand plötzlich Thomas Lehr besser. Es dauert dann nochmal einige Zeit bis Thomas die Partie tatsächlich noch gewinnen konnte und somit ist Wolfgang, mit einem Punkt Vorsprung vor Andy Fleischer und eineinhalb Punkten vor Thomas Lehr, zum Dritten mal Landes-Seniorenmeister von Schleswig-Holstein – Herzlichen Glückwunsch!!
In der letzten Runde bekam es Basti mit dem stark aufspielenden Shaqir Shabani zu tun. Bastis Gegner wurde in dieser Partie seiner Favoritenrolle gerecht und fuhr den Punkt relativ schnell ein. Letztendlich hat Basti ein sehr gutes Turnier gespielt, was auch seine Punktausbeute mit drei aus sieben Partien widerspiegelt. Hierbei ist besonders der Gegnerschnitt von 1700 zu beachten, der 150 Punkte höher als seine eigene Zahl liegt. Chapo und Hut ab! Bei Heiko war klar, dass die letzte Runde ein Sekt oder Seltersspiel wird. Mit Stefan Ueckermann hatte er einen Gegner der noch bei einem Sieg Turniersieger werden konnte, während Heiko mit einem Sieg noch in die Top 5 aufrücken kann. Nach einer Ungenauigkeit im Übergang von der Eröffnung ins Mittelspiel ist Heiko Positionell in Nachteil gekommen. Da er einem „langsamen Tod“ nichts abgewinnen konnte, versuchte er mit einem Opfer einen Angriff zu starten. Dieser ist jedoch nicht durch gegangen, weil Stefan zu gute Verteidigungsressourcen hatte und gleichzeitig bereits schon enormes Gegenspiel. Um nicht lange zu leiden, gab er die Partie verloren und so wurde Stefan Ueckermann am Ende Sieger des Kandidaten Turniers, Herzlichen Glückwunsch!
Der letzte Spieltag war somit auch die erste „Mannschaftsniederlage“ (1-2)
Abschließend bleibt ein durchweg positives Fazit dieser LEM in Quickborn. Neben spannenden Partien, persönlichen Erfolgen und lehrreichen Momenten war es vor allem die angenehme Turnieratmosphäre, die diese Tage zu etwas Besonderem gemacht hat.
Ein großer Dank gilt den Organisatoren und Ausrichtern, die mit viel Engagement für einen reibungslosen Ablauf, faire Bedingungen und ein rundum gelungenes Turnier gesorgt haben. Ebenso bedanken wir uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die stets sportliche und freundliche Atmosphäre am Brett und darüber hinaus.
Das Turnier war für uns nicht nur sportlich ein Erfolg – insbesondere durch Wolfgangs erneuten Titelgewinn –, sondern auch menschlich eine tolle Erfahrung. Gemeinsam analysieren, leiden, kämpfen und auch feiern: Genau das macht solche Veranstaltungen aus.